JOY

Als der Wunsch sich immer mehr konkretisierte das wir ab den nächsten 1 bis 2 Jahre mehr Zeit mit Reisen verbringen wollen stellte sich uns die Frage mit welcher Art von Fahrzeug wir dies tun sollten.

Zur Diskussion stand auch kurz die Möglichkeit mit dem Motorrad Fernreisen zu unternehmen da wir bereits sehr schöne Touren mit dem Motorrad unternommen hatten. Jedoch wurde diese Idee aufgrund zu vieler Kompromisse mit eingeschränktem Gepäck, der Wetterabhängigkeit und Gefahren auf der Straße nicht weiterverfolgt. Dies bedeutet aber nicht das wir nun keine weiteren Motorrad Touren unternehmen werden, sondern bedeutet nur, dass wir bei Fern- bzw. Langzeitreisen mit einem für uns idealeren Fortbewegungsmittel unterwegs sein werden.

Zu Beginn unser Planung drehten wir uns eine ganze Zeit im Kreis bis wir einige Eckpunkte der zu erwartenden Reiserouten sowie zum Fahrzeugs festlegten.

Reiserouten:

An erster Stelle steht im Moment die Pan Americana, dann die Seidenstraße und wenn möglich auch noch das südliche Afrika. Allerdings kann sich diese Reihenfolge auch noch ändern. Zieltermin für den Start der erste Langzeit Reise sollte wenn möglich das Frühjahr 2020 sein. Kürzere Test Reisen sollen bereits ab Herbst 2019 erfolgen. Sicherlich fahren wir bei unseren Reisen dabei überwiegend auf asphaltierter oder fester Straße, aber wenn erforderlich auch abseits dieser Straßen. Dabei sollte es mit dem Fahrzeug auch möglich sein auf sehr schlechten Wegstrecken fahren zu können welche auch eine erhöhte Bodenfreiheit erfordern. Man sollte auf diesen Wegen auch nicht an leichteren Wasserdurchquerungen scheitern.

Technische Fahrzeug Anforderung:

Eine robuste Fahrzeugtechnik mit möglichst weltweiter Ersatzteilverfügbarkeit, 4*4 Antrieb mit mindestens einem (HA) Sperrdifferenzial, Automatikgetriebe um komfortabler Reisen zu können. Bevorzugt ein Benzinmotor aufgrund der Dieselpartikelfilter Problematik. Auch sollte genügend Leistungsreserve für schwierigere Fahrbedingen vorhanden sein. Der Unterboden sollte an wichtigen Bauteilen geschützt sein. Eine Bodenfreiheit von min. 25 cm sowie eine Wattiefe von mindestens 50cm sollte vorhanden sein.

Reisemobil Anforderung:

Man sollte im Fahrzeuginnenraum bequem schlafen können. Eine Koch- und Waschgelegenheit mit Stehhöhe haben. Eine Sitzgruppe, sowie etwas Stauplatz sollte vorhanden sein. Ein WC (mindestens Porta Potti), eine Kühlbox, eine Heizung sowie eine korrekt dimensionierte Solaranlage für kurzzeitiges autarkes Campen. Der Kocher und die Heizung sollen Gasfrei funktionieren.

Aufgrund dieser Festlegungen konnte wir dann mit der eigentlichen Fahrzeugsuche beginnen. Über mehrere Monate überlegten wir nun welches Fahrzeug für uns ideal sein könnte. Von vorneherein schieden gleich die großen Fahrzeuge wie Unimog und Fahrzeuge auf LKW Basis aus, da die uns viel zu groß und unhandlich sind. Auf unseren Reisen möchten wir auch in die Städte / Ortschaften fahren und da wissen wir von unseren Motorrad Touren wie eng diese sein können. Auch wollen wir auf kleinen Bergstrecken nicht dem Herzinfarkt nahe sein, wenn es Straßenbedingt oder wegen Gegenverkehr eng wird. Des Weiteren wollen wir nicht mit sehr teuren Fahrzeugen in armen Regionen dieser Welt zu stark auffallen. All diese Anforderungen und Einschränkungen reduzierte die Auswahl auf erst einmal wenige Fahrzeuge.    

Grundsätzlich sollten es erst einmal ein neues bis wenig gebrauchtes Fahrzeug sein. Wir wollten kein älteres Fahrzeug mit unbekannter Abnutzungsherkunft. In die engere Wahl kamen dabei der Mercedes Sprinter 4*4, Mercedes Vito 4*4, VW T5/T6 4Motion, Landrover Defender und sogar ein 5 türiger Mitsubishi Pajero. Irgendwann kam dann auch noch die Pickup Fahrzeug Kategorie dazu, da ich aktuell bei GM in den USA an einem Motoren Projekt mitarbeite. Diese Motoren werden dabei überwiegend in US Pickups eingebaut.

Der Sprinter Kastenwagen schied leider aus, weil er als 4*4 in neuwertigen Zustand als Ausbaubasis in unserer Wunschausstattung (Automatik, HA Sperrdifferenzial, etc.) neuwertig gebraucht kaum verfügbar und als Neuwagen im Vergleich zum Sprinter ohne 4*4 viel zu teuer ist. Zudem müsste noch einiges an Geld für ein höheres Fahrwerk mit anderer Bereifung und Unterbodenschutz in die Hand genommen werden. Beim VW T5/ 6 verhält es sich sehr ähnlich,um auch ihn in ein Offroad taugliches Fahrzeug zu verwandeln. Ihn gibt es zwar mit HA Sperrdifferenzial aber beim T6 kommt noch hinzu, dass durch eine Fahrwerk Höherlegung, welche auch nur moderat machbar ist, die Antriebswellen stark belastet werden und somit frühzeitig verschleißen können. Dies finde ich weniger ideal wenn man weit von der nächsten VW Werkstatt unterwegs ist. Für den Mercedes Vito 4*4 Kastenwagen gibt es offensichtlich kein HA Sperrdifferenzial. Er wäre preislich und vom verfügbaren Innenraumangebot aber interessant gewesen, ist aber nach einem Fahrwerk-, Reifen, etc. Umbau immer noch, nur für leichten Offroad Einsatz gut. Also somit auch nicht das was uns an gewünschter Fahrzeugreserve für unser neues Reisemobil vorschwebte.

Während dieser Fahrzeugsuchzeit bin ich auch auf Pickups mit Auf- / Absetzkabinen gestoßen und habe mich somit intensiver mit diesem Konzept beschäftigt. Der Pickup als Plattformfahrzeug erfüllte viele unserer Fahrzeugwünsche. Ihn gab es von mehreren Fahrzeugherstellern mit 4*4 und Sperrdifferenzial an der Hinterachse, sowie zuschaltbarem Untersetzungsgetriebe wie bei echten Geländewagen. Es gab Pickups mit Automatikgetriebe, genügend Motorleistung, guter Bodenfreiheit und ausreichender Watttiefe.  

Allerdings bei intensivem studieren der Pickups mit Auf- / Absetzkabine erkannten wir nicht nur die Vorteile, sondern auch die Nachteile dieser Fahrzeug Kategorie kennen. Viele Kabinen zum Auf und Absetzen beinhalten zwar tolle Innenräume mit allem Komfort aber einige Pickup Fahrzeuge kommen dabei auch an ihre Grenzen. Der Schwerpunkt mancher Kabine ist aufgrund ihrer Stehhöhe innen und noch zusätzlich beladenem Dach sehr hoch. Oft hat man durch den Komfort der Ausstattung bedingt eine größere Kabinenlänge, welche wiederum ihr Gewicht weit hinter die Hinterachse verlagert.

Wir lernten daraus, dass der Einsatzzweck dieser Auf- / Absetzkabinen ein anderer ist als unsere Reisen es sein könnten. Bei uns könnte es schon sein das wir auch mal längere Zeit über Offroad Strecken oder sogar Wellblechpisten rumpeln. Somit war dieses Konzept nicht ideal für uns.

Allerdings lernten wir in dieser Zeit auch, das es auch sogenannte Pickup Expeditionskabinen gibt, die von vorne herein schone einen anderen Ansatz verfolgen. Es gibt entsprechende Konstruktionen, die zum einen äußerst stabil aus Aluminium oder auch Kunststoff gebaut sind und gleichzeitig noch leicht sind. Die durch eine niedrige Kabinenhöhe versuchen den Schwerpunkt tief zu halten und auch den Hecküberstand kurzhalten.  

Dieses Konzept scheint auch für uns genau das richtige zu sein. Wir können somit auf einen in großer Stückzahl weltweit gebauten 4*4 Pickup mit HA Sperrdifferenzial, zuschaltbarem Untersetzungsgetriebe, Automatik-getriebe, überschaubarer Technik, genügend Motorleistung, guter Bodenfreiheit und guter Watttiefe zurückgreifen. Auf solch ein Fahrzeug können wir eine auf unsere Wünsche angepasste stabile aber trotzdem leichte aus Aluminium gebaute kleine Wohnkabine setzen lassen. Diese ist durch ihr Aufstelldach im Schwerpunkt niedrig und durch das fest mit dem Pickup verschrauben wohl auch Pistentauglich.

Herausgekommen ist jetzt schlussendlich ein Ford Ranger Limited, 1.5 Extrakabine, 3.2 Liter Diesel mit 200PS, in Sahara Grau, einem zuschaltbaren Untersetzungsgetriebe, Automatikgetriebe, Offroad Paket mit HA Differenzialsperre und teilweisem Unterfahrschutz, ca. 25 – 30 cm (Achsen / Fahrzeugmitte) Bodenfreiheit sowie 80cm Wattiefe. Dieses Fahrzeug wird in dieser Ausführung in Südafrika, Australien und Asien gebaut und eingesetzt. Die Fahrzeuge für Europa werden in Südafrika gebaut. Somit sind Ersatzteile sicherlich in vielen Ländern verfügbar. Leider wird uns der Euro 6 Diesel Motor des Rangers mit seinem Dieselpartikel-filter und der dafür geforderter Dieselqualität in der Auswahl einiger Länder einschränken oder je nach getanktem Diesel auch an technische Grenzen bringen. Allerdings ist die Welt im Wandel und immer mehr Länder stellen Diesel mit niedrigerem Schwefelanteil an Tankstellen zur Verfügung. Diese Tatsache müssen wir bei der Wahl unserer Reiseländer daher beachten. Allerdings ist die Entscheidung für ein Euro 6 Fahrzeug unser kleiner Beitrag zum Umweltschutz, wenn wir schon durch unsere vielen gefahrene Reise KM die Umwelt belasten.

Die leere Wohnkabine wird von der Firma Ortec aus Aluminium an unsere Wünsche angepasst, innerhalb einem Ortec Baukastensystem gebaut. Die Wohnkabine erhalten wir bereits mit den von uns gewünschten eingebauten Fenstern und auf dem Klappdach montierten Solarpanels.

Das Fahrzeug trägt den Namen JOY, welcher von Xiangyang gewählt wurde. JOY soll uns überall dorthin bringen wo es für uns Neues zu entdecken gibt und Joy soll gleichzeitig auch unser Motto auf diesen Reisen in ferne Länder sein.

Unser Ranger wurde im Südafrikanischem Ford Werk Silverton, Pretoria gebaut und „JOY“ steht seit dem 13.11.2018 auf eigenen (Reifen) Füßen 🙂 Unser Ranger hat das Werk wohl am 17.11.2018 verlassen und befindet sich momentan noch auf dem Seeweg von Südafrika nach Deutschland und soll am 19.1.2019 beim Ford Händler ankommen. Die Ortec Kabine wird allerdings erst Ende März 2019 fertig. Anfang April ist dann die „Hochzeit“ von Fahrzeug mit seiner Kabine geplant. Schauen wir mal, ob dieser Zeitplan funktioniert. Da wir Joy somit noch nicht haben gibt es hier vorerst nur Zeichnungen welche ich für die Planung der Kabine erstellt habe.